Wie machen wir unser Gesundheitssystem fit für die komplexen Krisen des 21. Jahrhunderts? Die Deutsche Gesellschaft für Öffentliche Gesundheit und Bevölkerungsmedizin (DGÖGB) liefert Antworten mit einer Reihe von Fachartikel im open-access Journal „Human Biology and Public Health“ Die Fachartikel, basierend auf Vorträgen des 3. Fachsymposiums der DGÖGB und beleuchten dringende Notwendigkeiten in der Bevölkerungsmedizin.
Die Deutsche Gesellschaft für Öffentliche Gesundheit und Bevölkerungsmedizin (DGÖGB) veröffentlicht eine Reihe von wegweisenden Fachartikeln in dem peer-reviewed open-access Journal „HBPH – Human Biology and Public Health“. Die Artikelreihe basieren auf Vorträgen des 3. Fachsymposiums der DGÖGB im November 2025 und beleuchten eine brandaktuelle Frage: Wie machen wir unser Gesundheitssystem fit für die komplexen Krisen des 21. Jahrhunderts?
„Die Pandemie und die aktuellen geopolitischen Entwicklungen haben uns klar vor Augen geführt: Unser Gesundheitssystem ist kein isolierter Politikbereich und Gesundheitssicherheit ist weit mehr als nur medizinische Versorgung – sie ist ein existenzieller Pfeiler nationaler Sicherheit“, so Prof. Dr. Peter Tinnemann, Vorsitzender der DGÖGB. Er betont weiterhin „Die hier vorgelegten Fachartikel sind ein dringender Aufruf an Politik und Gesellschaft, Gesundheitssicherheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen und umzusetzen.“
Die Autoren sind sich einig: Unser Gesundheitssystem, das Prof. Dr. Leif Erik Sander (Charité-Universitätsmedizin), treffend als „Schönwettersystem“ charakterisiert, bedarf eines fundamentalen Neustarts. Die COVID-19-Pandemie hat dessen Schwachstellen – von Fragmentierung über Digitalisierungsdefizite bis hin zu einer reaktiven Krisenbewältigung – schonungslos offengelegt. Eine proaktive, integrierte Vorbereitung auf zukünftige Krisen, beispielsweise durch ein Nationales Zentrum für Gesundheitssicherheit, ist daher unerlässlich.
Diese Überlegungen weiten sich auf die Landesverteidigung aus: Generalstabsarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm (Sanitätsakademie der Bundewehr) hebt hervor, dass Gesundheit ein strategisches Gut ist. Deutschland fungiert im Krisenfall als Dreh- und Angelpunkt für die NATO, was eine engere Verzahnung des zivilen Gesundheitssystems mit militärischen Bedarfen unabdingbar macht. Nur so können wir adäquat auf Massenanfälle von Verletzten, einschließlich kriegsbedingter Polytrauma-Fälle, reagieren.
Prof. Dr. Jana Jünger, stellvertretende Vorsitzend der DGÖGB ergänzt: „Ein Paradigmenwechsel ist unerlässlich. Wir müssen von reaktiven Mechanismen zu einer proaktiven, integrierten und datengestützten Infrastruktur übergehen. Die Zeit des Zögerns ist vorbei. Wir laden Sie herzlich ein, sich intensiv mit diesen wegweisenden Analysen und Lösungsansätzen auseinanderzusetzen. Die vollständigen Fachartikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von „Human Biology and Public Health“.
Einen weiteren, grundlegenden Perspektivwechsel mahnt Prof. Dr. Johan von Schreeb (Karolinska Institut) aus der Katastrophenmedizin an: Die Priorität muss von spezialisierter Individualmedizin hin zur Bevölkerungsmedizin verlagert werden. Krisen lehren uns, dass der größte Bedarf bei grundlegender Primärversorgung, sauberem Wasser, Hygiene und der Stärkung lokaler Systeme liegt. In Deutschland sind dies auch die Aufgaben der Gesundheitsämter. Eine Fixierung auf hochspezialisierte Eingriffe übersieht oft die eigentlichen Ursachen der hohen indirekten Sterblichkeit in Konfliktgebieten, die häufig durch den Zusammenbruch grundlegender Versorgungsstrukturen entstehen.
Vorstandsmitglied Prof. Dr. Raoul Hecker weist jetzt schon darauf hin „Die Planungen des kommenden Fachsymposiums in diesem Jahr sind bereits in vollen Gange. Inhaltlich soll wieder an das wichtige und aktuelle Thema angeknüpft werden.“
Damit leisten die jährlichen Symposien der bevölkerungsmedizinisch ausgerichteten wissenschaftlich-akademischen Fachgesellschaft einen wichtigen Beitrag zur weiteren Entwicklung im Bereich institutioneller Öffentlicher Gesundheit (engl. public health).
Die Fachartikel können Sie kostenfrei open-access lesen. Sie finden die einzelnen Fachartikel in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „HBPH – Human Biology and Public Health“ online hier:
https://human-biology-and-public-health.org/index.php/hbph/issue/view/13
Wir laden Sie herzlich ein Mitglied in der DGÖGB zu werden.
Weitere Informationen finden Sie hier: https://bevoelkerungsmedizin.de/de/mitgliedschaften
Die Deutsche Gesellschaft für Öffentliche Gesundheit und Bevölkerungsmedizin e.V. setzt sich für die Förderung der Bevölkerungsmedizin und Öffentlichen Gesundheit in Deutschland ein. Sie versteht sich als Plattform für interdisziplinären Austausch, Forschung und politische Beratung, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung nachhaltig zu stärken und die Resilienz des Gesundheitssystems zu verbessern.
