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Krisenvorsorge der Gesundheitsämter: Ergebnisse des 3. DGÖGB-Fachsymposiums publiziert

Am 14. November 2025 richtete die DGÖGB in Frankfurt am Main ihr 3. Fachsymposium „Bevölkerungsmedizinische Vorbereitungen auf die Krise“ aus. Neun Referentinnen und Referenten aus Public Health, Katastrophenmedizin, Zivilschutz, Risikoforschung und Wehrmedizin diskutierten, wie sich das Gesundheitswesen auf sich überlagernde Krisen vorbereitet: Ausbrüche, Extremwetter, geopolitische Spannungen und Ausfälle kritischer Infrastruktur treten gleichzeitig auf und verstärken sich gegenseitig. Die Auswertung der Beiträge ist jetzt im Open-Access-Journal Human Biology and Public Health erschienen (Hecker, Jünger, Tinnemann 2026).

Ausgangspunkt: Gesundheitsämter übernehmen in Krisen Surveillance, Schutzmaßnahmen, Risikokommunikation und die Koordination zwischen Versorgern und Behörden. Welche operativen Vorsorgeanforderungen daraus folgen, ist in Deutschland bislang nicht definiert. Die Autoren werteten die Vorträge und Manuskripte von acht der neun Referenten qualitativ aus und ordneten die Ergebnisse dem WHO/IANPHI-Rahmenwerk 2026 zu Notfallvorsorge- und Reaktionsfähigkeiten öffentlicher Gesundheitsinstitutionen zu.

Das Ergebnis sind fünf Handlungsfelder mit konkreten Empfehlungen für Gesundheitsämter:

  1. Governance und Gesundheitssicherheit: kommunaler Gesundheitssicherheitsplan mit benannten Verantwortlichen, Stellvertretungen, Auslöseschwellen und rechtlichen Schnittstellen; feste Einbindung des Gesundheitsamts in den städtischen Krisenstab; Überprüfung jährlich und nach jeder Übung.
  2. Koordination und gemeinsames Lagebild: ständiges Krisennetzwerk mit Krankenhäusern, Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Sozialdiensten, Versorgungsunternehmen, Laboren, Apotheken, Pflegeheimen und Hilfsorganisationen; standardisierte Lagemeldungen; sichere digitale Kommunikation mit Offline-Rückfallebene.
  3. Kritische Infrastruktur und digitale Resilienz: Abhängigkeiten von Strom, Wasser, Treibstoff, IT, Telekommunikation, Transport und Lieferketten kartieren; Single Points of Failure identifizieren (Beispiel aus dem Symposium: der Notstromgenerator im überflutbaren Keller); Blackout- und Cyberangriffs-Stresstests durchführen.
  4. Personal und Einsatzbereitschaft: Besetzungsmatrix für essenzielle Aufgaben mit Vertretungen und Verstärkungsoptionen; Doppelrollen erfassen, denn nach den vorgestellten Daten ist nur rund ein Drittel der registrierten ehrenamtlichen Einsatzkräfte im Großschadensfall verlässlich verfügbar; regelmäßige behördenübergreifende Übungen.
  5. Kontinuität der Versorgung und Schutz vulnerabler Gruppen: Surveillance, Impfungen, Arzneimittelversorgung, Versorgung chronisch Kranker und psychische Gesundheit priorisieren; Zielgruppenpläne und angepasste Risikokommunikation für Pflegeheimbewohner, Menschen mit Behinderung, sozial Benachteiligte, Migranten und junge Erwachsene.

Die stärkste Übereinstimmung mit dem WHO/IANPHI-Rahmenwerk zeigte sich bei rechtlichen Befugnissen, Koordination, Notfallmanagement, Personalentwicklung, Public-Health- und Sozialmaßnahmen sowie klinischen Handlungsanleitungen. Daraus leiten die Autoren fünf politische Prioritäten ab: die institutionelle Kapazität der Gesundheitsämter stärken, Gesundheitsversorgung und kritische Infrastruktur als ein System planen, Public Health in die nationale Sicherheits- und Zivilschutzplanung einbinden, vulnerable Gruppen in den Mittelpunkt stellen und Digitalisierung bei gesicherter digitaler Souveränität ausbauen.

Die Analyse beruht auf den Beiträgen eines einzelnen Symposiums mit Schwerpunkt auf sicherheitspolitischen Szenarien; ambulante Versorgung, Klima- und Umweltgesundheit sowie Datenschutz waren unterrepräsentiert. Quantitative Daten zu den Vorsorgekapazitäten der Gesundheitsämter liefert die Arbeit nicht; hier liegt der weitere Forschungsbedarf.

Die Einzelbeiträge von Leif Erik Sander, Hans-Ulrich Holtherm, Frank Naujoks, Alexander Fekete, Andreas Follmann, Thomas Falconer Hall, Johan von Schreeb und Lidiya Derkach sind ebenfalls in Human Biology and Public Health erschienen. Die zusammenfassende Analyse ist frei zugänglich: https://doi.org/10.52905/hbph2026.135

Das 4. Fachsymposium der DGÖGB findet am 13. November 2026 in Frankfurt am Main statt.

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